Die typisch österreichische Lösung

Wenn man mich momentan fragen würde, wer denn den typischen Österreicher gibt, nämlich in Hinblick auf Entscheidungsfreudigkeit und Verständnis für Personen, die sich in einer heiklen Lage befinden, Stichwort: alleinerziehende, berufstätige Mutter mit schulpflichtigen Kindern, so würde mir sofort ein Name einfallen: Heinz Faßmann. Während die Regierugsspitze täglich neue Maßnahmen bringt – wie sinnvoll die sind, stellen wir jetzt mal nicht in Frage – und dafür sogar von der sonst so kritikfreudigen Opposition in höchsten Tönen gelobt wird, schafft es unser Mister Austria bei jeder Pressekonferenz, nichts als heiße Luft zu reden. Ein Paradebeispiel für einen Politiker, mögen jetzt böse Zungen behaupten.

Bereits in einem vorangegangen Kommentar habe ich die quälende Ungewissheit über den Maturatermin erwähnt. Insofern möchte ich diese Thematik auch nur kurz anschneiden. Während die Lösung, Durchschnittsnoten aus den letzten 2 Schulstufen zu errechnen, immer mehr, teils auch prominente Anhänger findet sowie eine breite Zustimmungswelle durch die Maturantinnen erfährt – 11000 Unterschriften bei einer Online Petition -, will der Bildungsminister den MaturantenInnen in der ohnehin schon angespannten Situation offensichtlich keine entspannten Osterferien gewähren. Denn sonst hätte er es wohl auf die Reihe gebracht, den MaturantenInnen mitzuteilen, dass eine Matura am 19.5. just realitätsfern ist. Denn jeder der um 19:30 die ZIB1 verfolgt, hat danach eine halbe Stunde Beweismaterial, dass die Ansteckungszahlen wohl in den kommenden Wochen eher nicht abflauen werden. So bleibt den zukünftigen Absolventen wohl nichts anderes über, als auch die Osterferien damit zu verbringen, Konfidenzintervalle zu berechnen und Leserbriefe zu verfassen.

Aber wenn wir uns schon auf Reformkurs befinden, so würde ich aus der Krise eine Tugend machen. Das österreichische Maturasystem gehört dringend reformiert. Und auch wenn das patriotische Herz nun schwer zu leiden hat, so können wir in dieser Hinsicht nur unseren deutschen Nachbarn gratulieren, denn dort gibt es bereits ein System, bei dem die Noten der 11. und 12. Schulstufe ins Maturazeugnis mit einfließen. Und wann wenn nicht jetzt haben wir die Möglichkeit mit einer milde gestimmten Opposition solch große Reformen anzupacken?

Kommen wir aber jetzt zu dem eigentlichen Aufreger an der ganzen Sache: die fehlende Alternative. Eltern mit Kindern stoßen bereits nach 2 Wochen an ihre Kapazitätsgrenzen. Stoff von verschiedenen Schulstufen muss gelehrt werden, am Nachmittag muss man die Sprösslinge anderweitig beschäftigen und nebenbei muss auch noch der Haushalt geschupft sowie dem eigenen Beruf im Homeoffice nachgegangen werden. Wo ist also die Perspektive, wenn bereits Gerüchte viral gehen, nach denen die Schule ihre Pforten erst im September wieder öffnet?

Man sollte im Bildungsministerium endlich anfangen Nägel mit Köpfen zu machen und nicht nur um den heißen Brei herum zu reden. Was fehlt, ist die Perspektive und da ist sicherlich das ganze Ministerium schuld und nicht alleine der Bildungsminister, welcher nunmal der Kopf des Ganzen ist. Der Titel meines Kommentars ist demnach nicht ganz zeitgemäß, denn das was momentan bei Pressekonferenzen kundgetan wird, hat sich nicht einmal den Titel Lösung verdient. Vielmehr ist es „typisch österreichisch“. Und bevor jetzt die Patrioten einen Aufstand machen, relativiere ich das Ganze einmal, denn momentan funktioniert das Krisenmanagement weitestgehend gut, nur halt im Bildungsministerium sind die Beschwerden der Eltern und die Ungewissheit der Maturantinnen noch nicht bis auf die 2 Meter von Herrn Faßmann hinaufgeklungen.

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