Freundschaft trotz Krieg

„Ah, du bist Serbin?“

Unsere Lehrerin findet es immer wieder toll, dass wir so gute Freunde sind: wir, das sind Rina aus Kroatien, Isidora aus Serbien, Edna und Anes aus Bosnien und Muhamed aus Mazedonien, eigentlich auch aus Albanien, aber das ist jetzt zu kompliziert. Ja, und dass wir drei verschiedene Religionen haben: nämlich katholisch, islamisch und serbisch-orthodox. Mit den Landkarten auf unseren Handys erklären wir unserer Deutsch-Lehrerin, woher wir bzw. unsere Familien stammen. Für Bosnien – ist ja wirklich nicht so einfach – muss man sich da echt ein bisschen mehr Zeit nehmen…

Wir kommen aus einem Land mit einer schwierigen Geschichte. Unsere Eltern und Großeltern haben uns von Krieg, Tod und Vertreibung erzählt, das eine oder andere Mal, ganz selten. Denn der Krieg ist kein Thema bei uns zu Hause und wenn jemand darauf zu sprechen kommt, dann heißt es: „Können wir bitte das Thema wechseln!“

„Ah, du bist Serbin?!“ – Jetzt hat es Muhamed auch endlich kapiert… Aber im Prinzip interessiert es uns ja auch nicht wirklich, woher jemand kommt und warum er da ist.

„Offene Wunden“ – Vorbehalte anderen Volksgruppen gegenüber haben allerdings Familien mit vielen Opfern, aber das betrifft uns nicht so. Offene Wunden, ja, die gibt es… beispielsweise wenn das Thema in den Medien auftaucht, wie jetzt erst vor kurzem. Wenn jetzt zum Beispiel die kroatische Schülerin die serbische mit nach Hause bringt und umgekehrt, dann ist das kein Problem. – Wir sind Freundinnen.

„Heimat“ – Wie wir ‚Heimat‘ definieren würden? Isidora, die mit viereinhalb Jahren nach Österreich gekommen ist, empfindet Serbien als ihre Heimat. Muhamed hat es da nicht so einfach: „Heimat, das sind für mich eigentlich drei Länder: Mazedonien, Kosovo und Albanien“.

Sprache: „Die Bosnier sind die Entspanntesten“. – Ob wir in unseren Muttersprachen so richtig miteinander streiten können? – Ja, grundsätzlich schon, bis auf Albanisch („Also du nicht, Muhamed!“). Bei den anderen Sprachen gibt’s Unterschiede bei einigen Wörtern und in der Aussprache: Jedenfalls ist Slowenisch die schnellste Sprache, dann folgen – in der Geschwindigkeit – Albanisch, Mazedonisch, Kroatisch, Serbisch. Zum Schluss die Bosnier: Die sind die „Entspanntesten“.

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